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16. November 2007

DIE LINKE. Ansbach: „Auf dem Rücken unserer Kinder“

Bei der Aktion unter dem Motto „Auf dem Rücken unserer Kinder“ im Zeitraum vom 05.-09.November führten die Mitstreiter der Offenen Linken Ansbach Schultaschenwiegen vor Ansbacher Schulen durch.

Die Ergebnisse dieser Aktion stellte Uwe Schildbach am vergangen Montag beim Treffen der Wählergemeinschaft vor.

Insgesamt wurden 274 Schultaschen der Jahrgangsstufen 1-10 nachgewogen. Schwerpunkt dabei waren die, proportional am Köpergewicht gemessen, unverhältnismäßig schweren Schultaschen der Jahrgangsstufen 1-8.

Gewogen wurde an der Karolinenschule, der Luitpoltschule, am Gymnasium Carolinum und der Ansbacher Realschule.

Die Ergebnisse seien erschreckend so Schildbach, keine einzige gewogene Schultasche bis zur 6. Jahrgangsstufe, unterschritt dabei, die von Kinderärzten festgelegte Höchstgrenze von max. 10 % des eigenen Körpergewichts. Die zu hohe Belastung der kindlichen, noch im Wachstum befindlichen Wirbelsäule, führe auf Dauer zu irreparablen gesundheitlichen Schäden bei unseren Kindern.

Das durchschnittliche Büchertaschengewicht eines Ansbacher Grundschülers (Jahrgangsstufe 1-4) betrage 5,3 kg, und das bei einem Durchschnittskörpergewicht von nur 28 kg.

98 % der Ansbacher Grundschüler überschreite regelmäßig die festgelegte Höchstgrenze von 10 %. Die Wiegeaktion habe ergeben, dass gut die Hälfte der gewogenen Grundschulbüchertaschen diese Höchstgrenze sogar um das doppelte des zulässigen Gewichts überschreite.

Besonders betroffen sind die Schüler der Jahrgangsstufen 5 und 6 , bei einem durchschnittlichen Büchertaschengewicht von 7,7 kg und einem Durchschnittskörpergewicht von 35 kg. Mehr als die Hälfte der Büchertaschen dieser Jahrgangsstufen überschreite die angegebene Obergrenze um das zweieinhalbfache.

Auch Hermann Enders, Mitstreiter der Offenen Linken Ansbach, der neben Kerstin Kernstock-Jeremias und Boris Andre Meyer an dieser Aktion teilnahm, zeigte sich schockiert. Man stelle sich vor so Enders, 30 % der 5- und 6 Klässer tragen regelmäßig ein Drittel ihres eigenen Körpergewichts in die Schule. Umgerechnet auf seine eigene Person, wäre das ein knapp 30 kg schwerer Rucksack und das 5 Tage in der Woche.

Absolute Spitzenwerte erreichen die Taschen der Jahrgangsstufen 7 – 8 mit einem durchschnittlichen Büchertaschengewicht von 8, 1 kg und einem Durchschnittskörpergewicht von 49 kg.

Alles bisherigen Ansätze, sei es durch besserer Unterrichtskoordination oder der Idee, dass sich zwei Schüler ein Buch im Unterricht teilen (was aber wiederum von einigen Lehrern abgelehnt werde) brächten nicht die gewünschten Ergebnisse.

Auch der Vorwurf, die Schüler würden ihre Schultaschen in der Regel falsch packen und dadurch kämen diese schweren Büchertaschen zustande, sei falsch so Schildbach.
Er selber habe sich mit seinem 10-jähigen Sohn daran gemacht, stundenplangerecht die Schultasche mit nur dem Allernötigsten zu bestücken. Trotzdem wiege die Tasche an manchen Wochentagen an die 8 kg.

Bei besser verdienenden Familien gehe der Trend mittlerweile zu Zweitbüchern, die in einem Schließfach in der Schule aufbewahrt werden. Es stelle sich nur die Frage, welche Familien sich diese Lösung für ihre Kinder leisten könne so Kerstin-Kernstock Jeremias. Auch an diesen Punkt zeige sich die soziale Schieflage unserer Bildungspolitik.
Diese werde im Sinne des Wortes „auf den Rücken unsere Kinder“ dokumentiert.

Von Lehrmittelfreiheit sei man in Bayern meilenweit entfernt so Jeremias, jetzt schon sind viele Familien mit den enormen Schulkosten finanziell überfordert. Büchergeld hin oder her.

Abgesehen davon haben auch längst nicht alle Ansbacher Schulen Schülerschließfächer, an der Ansbacher Realschule fehlen diese z.B.

Für die Offene Linke Ansbach ergebe sich aus den Ergebnissen ihrer Erhebung folgende kommunalpolitische Forderungen:

- Die Einführung eines kommunalen Lehrmittelfonds mit dem kinderreichen - und sozial benachteiligte Familien unbürokratisch geholfen werden kann.

- Die Ausstattung der Ansbacher Schulen mit abschließbaren Schließfächern für alle Schüler.

- Die Anschaffung von sog. Unterrichtsbüchern, die es zumindest den am meisten betroffenen Schülern, nämlich den Jahrgangsstufen 3-7 ermöglicht, in den elementaren Grundfächern, ihre schweren Bücher Zuhause lassen zu können.

Die Forderung nach der Anschaffung von Unterrichtsbüchern, sei nur auf den ersten Blick eine teure Angelegenheit.
Im Vergleich zu den enormen volkswirtschaftlichen Kosten und Folgekosten, die durch frühzeitige Wirbelsäulenerkrankungen bei Kinder verursacht werden, sind die Kosten für solche präventive Maßnahmen eher als gering zu betrachten. Allein schon die Gesundheit unserer Kinder sollte es uns wert sein, so Schildbach abschließend.

Die parteiübergreifende Wählergemeinschaft kündigte an, die Büchertaschenaktion weiterzuführen um noch weiter Daten an anderen Ansbacher Schulen zu erheben.